Fachinformationen der FMPP zur aktuellen Coronavirus-Pandemie

Innerhalb des Vorstandes der FMPP hat sich eine Task Force gebildet, die alle wichtigen Fragen und Empfehlungen über COVID-19 in der Psychiatrie diskutiert und kommuniziert. Mitglieder der Task Force sind Pierre Vallon (Präsident FMPP), Alain di Gallo (Vertreter SGKJPP), Fulvia Rota (Vertreterin SGPP), Philipp Straub (Rechtsberater FMPP) sowie Christoph Gitz (Geschäftsführer FMPP). Die Task Force informiert die Mitglieder mit regelmässigen Newslettern. Hier publiziert die FMPP die Antworten auf die wichtigsten Fragen und weitere Empfehlungen.

Fragen zur Patientenbehandlung

1. Auswirkungen der 20. März 2020 vom Bundesrat vorgenommenen Änderungen der Verordnung 2 COVID-19 für die ambulante Psychiatrie?

Mit den vorgenommenen Änderungen der Verordnung hat der Bundesrat nun präzisiert, dass es Gesundheitseinrichtungen wie Spitälern, Kliniken und Arztpraxen verboten ist, nicht dringend angezeigte medizinische Untersuchungen, Behandlungen und Therapien (Eingriffe) durchzuführen. Neu wird dabei ausgeführt, dass diejenigen Eingriffe als nicht dringend angezeigt gelten, die zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden können, ohne dass bei der betroffenen Person Nachteile zu erwarten sind, die über geringe physische und psychische Beschwerden und Beeinträchtigungen hinausgehen oder überwiegend der Steigerung der Leistungsfähigkeit oder dem Wohlbefinden dienen.

Das Ziel der bundesrätlichen Verordnung ist, die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Deswegen sollen die Patienten und Patientinnen zu Hause bleiben. Wir Psychiater und Psychiaterinnen haben den Auftrag, die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung der Schweizer Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Psychische Dekompensationen und daraus resultierende Hospitalisationen müssen nach Möglichkeit verhindert werden, um eine Überlastung der Kliniken zu vermeiden. Unsere Praxen bleiben daher offen und die psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlungen werden wenn immer möglich weitergeführt. Es geht darum, dass wir, wenn immer möglich, die modernen Kommunikationsmittel (Telekonferenz, Telefon) benützen und so mithelfen, die Ziele der Verordnung des Bundesrates möglichst gut umzusetzen. Es ist unsere Aufgabe und liegt in unserer Kompetenz, zu entscheiden, ob wir einen Patienten dringend in die Praxis bestellen müssen oder ob eine telemedizinische Konsultation durchgeführt werden kann. Dies gilt auch für die delegiert arbeitenden Psychologen und Psychologinnen. Auch sie sollen weiterarbeiten und dabei, wenn immer möglich die verschiedenen telemedizinischen Tools nutzen. Wichtig ist, dass die Aufsichtspflicht durch den delegierenden Arzt, die delegierende Ärztin weiterhin sichergestellt wird; auch dies ist mittels Telemedizin möglich.

2. Gibt es Alternativen zum Telefon, um Therapiesitzungen auf Distanz abzuhalten?

Wir haben bereits darauf aufmerksam gemacht, dass FaceTime, Skype, WhatsApp etc. wie auch generell die Mobiletelefonie keine sicheren Verbindungen sind, die der ärztlichen Schweigepflicht entsprechen. Wir empfehlen unseren Mitgliedern, bei der Verwendung telemedizinischer Tools die Patienten und Patientinnen dahingehend zu informieren und unbedingt auch deren formelles Einverständnis einzuholen. Vor wenigen Tagen hat die FMH zum Thema Telemedizin während der COVID-19-Pandemie ein sehr informatives Factsheet veröffentlicht. Neu bietet HIN (Health Info Net AG) in Zusammenarbeit mit der FMH das Tool «Hin Talk Video» für sichere Videokonferenzen mit Patientinnen und Kollegen an. Dieser Video-Service wird HIN-Kunden für die Dauer der COVID-19-Pandemie kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das Tool ist sehr einfach zu bedienen, funktioniert bestens und kann mit Passwort geschützt werden.

3. Abrechnung von telemedizinischen Konsultationen?

Die FMPP hat eine Anfrage ans BAG gerichtet, um telemedizinische Konsultationen rückwirkend auf den 1. März 2020 im Rahmen der OKP abrechnen zu können.

Dies hauptsächlich aus drei Gründen:

  1. Grundsätzlich können telefonische Konsultationen über die Tarmedpositionen 02.0060, 02.0065, 02.0066 und 02.0080 abgerechnet werden. Die den Positionen hinterlegten Zeitlimitationen erlauben jedoch die Durchführung eines grossen Teils unserer psychiatrisch und psychotherapeutischen Behandlungen nicht.
  2. Videositzungen entsprechen in ihrer Dynamik, Intensität und Interaktionsmöglichkeiten eher der persönlichen Konsultation in der Praxis als einem Telefongespräch; zudem ist deren Abrechnung in Analogie zur telefonischen Konsultation formell im Tarmed nicht erwähnt.
  3. Die FMPP möchte eine Mengenausweitung, die sich aus der Änderung des derzeit geltenden Tarifs ergeben könnte, verhindern. Auch die maximale Dauer einer Telefon- oder Videositzung bleibt auf 75 Minuten begrenzt. Wir sind der Meinung, dass dieser Ansatz sinnvoller ist, als die von der FMH vorgeschlagene vorübergehende Aufhebung der zeitlichen Limitationen von telefonischen Konsultationen.  

Die FMH hat in der Zwischenzeit dem Bundesrat den Antrag gestellt, die Limitationen der folgenden Positionen während des Zeitraums der vom Bundesrat beschlossenen «ausserordentlichen Lage» aufzuheben:

  • Telefonische Konsultation durch den Facharzt für Psychiatrie: betrifft die Tarifpositionen 02.0060, 02.0065 und 02.0066
  • Telefonische Konsultation durch delegierten Psychologen/Psychotherapeuten: betrifft die Tarifposition 02.0250

Für uns gilt nach wie vor: Bis wir vom BAG eine Antwort haben, empfehlen wir, alle telefonischen und telemedizinischen Konsultationen abzurechnen, wie Sie es üblicherweise für Präsenz-Konsultationen tun.

Fragen rund um das Thema Gutachten

Informationen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV):

1. Annullierung der Untersuchungstermine und Einstellung der Auftragsvergabe bei Begutachtungen

Gemäss der bundesrätlichen Verordnung vom 16.3.2020 müssen Spitäler, Kliniken und Arztpraxen auf nicht dringend angezeigte medizinische Eingriffe und Therapien verzichten. Für die medizinischen Gutachten bedeutet dies, dass alle bis zum 19. April 2020 vorgesehenen Untersuchungstermine abgesagt werden müssen, und dass die Vergabe neuer Gutachtensaufträge bis zum 19. April 2020 eingestellt wird. Die IV-Stellen haben die Versicherten und die Gutachterinnen und Gutachter entsprechend zu informieren. Wenn die Untersuchungen bereits stattgefunden haben, so ist das Gutachten weiterhin innerhalb der von den IV-Stellen gesetzten Fristen zu erstellen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an die entsprechende IV-Stelle.

2. Fristenstillstand

Weiter teilt das BSV mit, dass aufgrund der bundesrätlichen Verordnung vom 21. März 2020 ein Fristenstillstand bis zum 19. April 2020 gilt.

Fragen zum Schutz von Patienten und Patientinnen und den Praxisteams

1. Verantwortung zum Schutz der Patientinnen und Patienten und von sich selbst im Falle einer dringlichen Präsenz-Konsultation
  • Halten Sie sich an die Verhaltens- und Hygieneregeln des Bundesamts für Gesundheit.
  • Desinfizieren Sie regelmässig Ihre Praxis, d.h. alle Gegenstände, die angefasst werden, und informieren Sie entsprechend Ihre Patientinnen und Patienten über diese Massnahme.
  • Halten Sie in Ihrer Praxis Desinfektionsmittel bereit (in Apotheken oder Drogerien erhältlich).
  • Sorgen Sie für den nötigen Abstand (zwei Meter) zwischen Ihnen und den Patientinnen und Patienten.
  • Ist die Distanzhaltung, z.B. bei der Arbeit mit Kindern, nicht möglich, führen Sie Präsenz-Konsultationen nur in medizinisch absolut notwendigen Situationen durch.

Bitte beachten Sie unbedingt auch die laufend aktualisierte Website des BAG. Hier finden Sie die häufigsten Fragen, mit denen Sie als Medizinerin/Mediziner in Ihrer Praxis zu COVID-19 konfrontiert werden könnten. Selbstverständlich sind als zusätzliche Informationsquelle auch die Internetseiten der Gesundheitsdepartemente Ihres Kantons zu empfehlen.

Fragen zum Thema Erwerbsausfall

1. Kann ich als Selbstständigerwerbende/r Kurzarbeit anmelden? Habe ich Anspruch auf andere staatliche Entschädigungen?

Mit den am 20. März 2020 angekündigten Änderungen hat der Bundesrat nun dafür gesorgt, dass die mitarbeitenden Ehegattinnen/Ehegatten oder eingetragenen Partnerinnen und Partner des Arbeitgebers (d.h. auch des niedergelassenen Psychiaters resp. der niedergelassenen Psychiaterin) neu Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben. Für sie gilt dabei eine monatliche Pauschale von CHF 3'320.00 als massgebender Verdienst für eine Vollzeitstelle . Ebenfalls einen solchen beschränkten Anspruch haben „arbeitgeberähnliche Angestellte“ (wie z.B. Gesellschafter einer GmbH).

Selbstständigerwerbende haben hingegen auch weiterhin keinen Anspruch auf Kurzarbeit. Für sie besteht gemäss der ebenfalls am 20. März 2020 in Kraft getretenen COVID-19-Verordnung „Erwerbsausfall“ aber unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Taggelder im Betrag von maximal CHF 196.00 pro Tag (so beim Unterbruch der Erwerbstätigkeit infolge ärztlich verordneter Quarantäne oder wegen Wegfalls der Fremdbetreuung ihrer Kinder unter 12 Jahren).

Anspruch auf Taggelder haben zudem Selbstständigerwerbende, deren öffentlich zugängliche Betriebe gestützt auf Art. 6 Abs. 2 COVID-19-Verordnung 2 behördlich geschlossen wurden. Da Arztpraxen gemäss Art. 6 Abs. 3 ausdrücklich nicht zu diesen Betrieben gehören, besteht für die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen zurzeit kein solcher Anspruch. Wir arbeiten aktiv mit der FMH zusammen, auf dass die betroffenen Ärztinnen und Ärzte nicht «zwischen Stuhl und Bank fallen».

Gerne verweisen wir auf eine eben publizierte, interessante Information für Arbeitgebende und Selbstständigerwerbende im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Mit der am 25. März 2020 verabschiedeten Notverordnung können Einzelunternehmen, Personengesellschaften oder juristische Personen, die aufgrund der COVID-19-Pandemie namentlich hinsichtlich ihres Umsatzes wirtschaftlich erheblich beeinträchtigt sind, bei einer Bank einen Kredit im Umfang von bis zu 10% ihres im Jahr 2019 erzielten Umsatzerlöses beantragen. Sie müssen sich verpflichten, den Kreditbetrag ausschliesslich zur Sicherung ihrer laufenden Liquiditätsbedürfnisse zu verwenden. Der Zins beträgt zurzeit 0,0%. Er wird danach vom Finanzdepartement jährlich per 31. März an die Marktentwicklungen angepasst. Der Kreditbetrag ist nach fünf Jahren vollständig zurückzubezahlen; in Härtefällen kann diese Frist einmal um zwei Jahre verlängert werden. Die Kredite werden unbürokratisch und innert kurzer Frist ausbezahlt. Der Kreditantrag ist auf dieser Webseite verfügbar.  

2. Kann ich für meine Angestellten (Psychologen, Assistenzärztinnen, Sekretärin, Putzfrau) Kurzarbeit beantragen? Und wenn ja, wie muss ich vorgehen?

Kurzarbeit infolge des Coronavirus kann sowohl aufgrund von behördlichen Massnahmen als auch aus wirtschaftlichen Gründen (Ausbleiben der Patienten, Lieferengpässe für notwendige Materialien) beantragt werden. Zwingende Voraussetzung ist, dass der Arbeitsausfall in einem Kausalzusammenhang mit dem Auftreten des Coronavirus steht. In diesen Fällen kommt bei Kurzarbeit die Arbeitslosenversicherung (ALV) für einen Teil der Lohnkosten auf. Damit soll verhindert werden, dass infolge kurzfristiger und unvermeidbarer Arbeitsausfälle Kündigungen ausgesprochen werden.

Voranmeldungen von Kurzarbeit muss der Arbeitgeber bei der zuständigen Kantonalen Amtsstelle (KAST) einreichen. Zuständig für die Bearbeitung der Voranmeldung ist die KAST des Kantons, in dem sich die Praxis befindet.

Ein Antrag von Psychiaterinnen und Psychiatern auf Kurzarbeit für ihre Angestellten ist möglich und soll unseres Erachtens gemacht werden. Ob der Antrag dann auch bewilligt wird, kann gegenwärtig nicht gesagt werden. Wir empfehlen auf jeden Fall den Arbeitsausfall resp. die Mindereinnahmen gut zu dokumentieren. Weitere Informationen zur aktuellen Lage in Bezug auf die Kurzarbeit sowie entsprechende Antragsformulare sind hier aufrufbar.

Fragen zur Fortbildungspflicht

1. Welche Auswirkungen haben die aufgrund des Coronavirus verordneten Massnahmen/Einschränkungen auf meine Fortbildungspflicht? 

Das SIWF schreibt dazu: Zurzeit erreichen das SIWF viele Fragen im Zusammenhang mit der Erfüllung der Fortbildungspflicht unter den durch die Coronavirus-Epidemie erschwerten Bedingungen. Es wird darauf hingewiesen, dass mehr und mehr geplante Fortbildungsveranstaltungen jetzt und auch auf mittlere Sicht annulliert werden, und dass viele Ärztinnen und Ärzte eine Zeit stark erhöhter Belastung durchzustehen haben. Beides könnte das Erreichen der regulär benötigten Anzahl von Credits in diesem Jahr erschweren oder gar verunmöglichen. Deswegen wird angeregt, die Vergabe und die Anzahl benötigter Fortbildungscredits für 2020 zu überprüfen. Geschäftsleitung und Vorstand des SIWF sind sich dieses Problems bewusst und werden im Kontakt mit den Fachgesellschaften eine angemessene Lösung dafür erarbeiten, sobald die Situation etwas klarer und längerfristig beurteilbar ist. Zur SIWF-Website ...

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