Umfrageresultate liegen vor: Grossteil der FMPP-Mitglieder warnt vor «Trojanischem Pferd»

In der Mitte August abgeschlossenen Mitgliederumfrage beurteilen fast zwei Drittel das vorgeschlagene Anordnungsmodell als schlecht bzw. sehr schlecht. 75% vertreten die Position, dass lediglich Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Kinderpsychiatrie und -psychotherapie, sowie Ärzte mit einem Fähigkeitsausweis Psychosomatische und psychosoziale Medizin eine Psychotherapie anordnen können. Die Vorstände der SGPP und der SGKJPP haben die Resultate in ihr Argumentarium einfliessen lassen.  

Die FMPP hat ihre Mitglieder in einer Onlineumfrage von Mitte Juli bis Mitte August 2019 zum Verordnungsentwurf «Änderungen der Verordnungen KVV und KLV zur Einführung des Anordnungsmodells» befragt. Insgesamt wurden 2'698 Mitglieder eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. 977 Mitglieder haben sich an der Umfrage beteiligt, dies entspricht einer Quote von 36,21%. In der Deutschschweiz lag die Antwortrate bei 37,40%, in der französischen Schweiz bei 33,91%. 77% der Teilnehmenden verfügen über einen Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie, 23% für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie. 56 Antwortende sind Doppeltitelträger. Acht von zehn Teilnehmenden sind über 50 Jahre alt.  59% der Antwortenden sind Männer und 41% Frauen. 753 der 977 Teilnehmenden sind selbstständig in einer Einzel- oder Gruppenpraxis tätig.

Anordnungsbefugnis einschränken

Drei Viertel der Umfrageteilnehmenden vertreten die Position, dass lediglich Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Kinderpsychiatrie und -psychotherapie, sowie Ärztinnen und Ärzte mit einem Fähigkeitsausweis Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM) anordnen sollen. Lediglich Nur 25% unterstützen den Vernehmlassungsvorschlag, dem zufolge künftig auch Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Gynäkologie und Geburtshilfe und der Pädiatrie eine Anordnungsbefugnis haben sollen.

Anordnung in eigener Praxis: Ja, aber ...

Knapp 50% der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer wären bereit in ihrer Praxis anzuordnen, 25% lehnen dies ab. Die restlichen 25% wären wohl bereit anzuordnen, knüpfen dies aber an verschiedene Bedingungen. Prioritär ist für sie, dass sie die Psychologinnen und Psychologen kennen und mit deren Therapiemethoden vertraut sind. Zudem legen sie auch Wert darauf, dass sie die Patientinnen und Patienten persönlich kennen und an der Diagnosestellung beteiligt sind. Die Anordnung einer Psychotherapie bedarf ihnen zufolge einer genauen Diagnostik; dies sei Sache der Fachärzte und Fachärztinnen für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Mehrheit will nicht nur als «Triageärzte» arbeiten und lehnt «proforma-Anordnungen» entschieden ab. Viele Antwortende stören sich am grossen administrativen Aufwand, den die Limitierung auf 15 Sitzungen bis zur nächsten Anordnung mit sich bringt. Die teilnehmenden Mitglieder fordern dazu eine «sachgerechte Entschädigung für den medizinischen Verordnungsaufwand». Ferner wurden die Anforderungen an die klinische Ausbildung der psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie die Regelungen zur Überwachung der Behandlungsqualität wiederholt thematisiert, und auch die Klärung der Haftungsfrage wurde mehrmals gefordert.

Anordnungsmodell mehrheitlich kritisch beurteilt

57% der Teilnehmenden beurteilen das Anordnungsmodell als sehr schlecht bis schlecht. Ein Viertel ist unschlüssig, 18% finden das Modell gut bis sehr gut. Letztere unterstützen die Ablösung des Delegationsmodells, weil sie es als «veraltet und unwürdig» betrachten. Diese Gruppe sieht die Psychologen und Psychiater eher «auf Augenhöhe arbeitend» und erwartet mit dem neuen Modell eine Entlastung. Kritisiert wird vor allem die mit dem Modell verbundene Limitierung von Sitzungsanzahl und Sitzungsdauer. Es bestehe das Risiko, dass letztlich «der Psychiater nur noch Rezepte, Zeugnisse, FU, Berichte für Versicherungen und Anordnungen für die Psychotherapie erstellt».

Resultate bilden Grundlage für weiteres Vorgehen

Der FMPP-Vorstand dankt den Mitgliedern für die Umfrageteilnahme und die wertvolle Unterstützung. Die Resultate der Mitgliederbefragung können hier eingesehen werden. Der FMPP-Vorstand teilt die meisten Befürchtungen ihrer Mitglieder und betrachtet die neue Verordnung als eine Mogelpackung zulasten der Menschen mit schweren und komplexen psychischen Erkrankungen wie auch zum Nachteil der Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Basierend auf den Umfrageresultaten haben die Vorstände der SGPP und der SGKJPP nun ihre Argumentarien ausgearbeitet.

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