Fachinformationen der FMPP zur aktuellen Coronavirus-Pandemie

Innerhalb des Vorstandes der FMPP hat sich eine Task Force gebildet, die alle wichtigen Fragen und Empfehlungen über COVID-19 in der Psychiatrie diskutiert und kommuniziert. Mitglieder der Task Force sind Pierre Vallon (Präsident FMPP), Alain di Gallo (Vertreter SGKJPP), Fulvia Rota (Vertreterin SGPP), Philipp Straub (Rechtsberater FMPP) sowie Christoph Gitz (Geschäftsführer FMPP). Die Task Force informiert die Mitglieder mit regelmässigen Newslettern. Hier publiziert die FMPP die Antworten auf die wichtigsten Fragen und weitere Empfehlungen.

Schutz von Patienten und Patientinnen und den Praxisteams

  • Halten Sie sich an die Verhaltens- und Hygieneregeln des Bundesamts für Gesundheit.
  • Desinfizieren Sie regelmässig Ihre Praxis, d.h. alle Gegenstände, die angefasst werden, und informieren Sie entsprechend Ihre Patientinnen und Patienten über diese Massnahme.
  • Halten Sie in Ihrer Praxis Desinfektionsmittel bereit (in Apotheken oder Drogerien erhältlich).
  • Sorgen Sie für den nötigen Abstand (zwei Meter) zwischen Ihnen und den Patientinnen und Patienten.
  • Ist die Distanzhaltung, z.B. bei der Arbeit mit Kindern, nicht möglich, führen Sie Präsenz-Konsultationen nur in medizinisch absolut notwendigen Situationen durch.

Bitte beachten Sie unbedingt auch die laufend aktualisierte Website des BAG. Die FMH hat am 22. April ein Schutzkonzept zum Betrieb von Arztpraxen publiziert. Dieses beinhaltet, dass im direkten Patientenkontakt oder im Kontakt mit Mitarbeitenden chirurgische Masken (Typ II oder Typ IIR) getragen werden sollten. Der Arzt und die Ärztin haben die Fürsorgepflicht für ihre Patientinnen und Patienten sowie für ihre Mitarbeitenden.

Patientenbehandlung und Abrechnung

Medizinische Praxen haben ab dem 27. April den Normalbetrieb wieder aufgenommen und können sämtliche, auch nicht-dringliche Behandlungen vornehmen. Am 27. Mai hat der Bundesrat weitere Lockerungsmassnahmen beschlossen. Per 30. Mai wird das Verbot spontaner Versammlungen von 5 Personen auf 30 Personen gelockert. Ab 6. Juni sind wieder private und öffentliche Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen möglich. Diese Massnahme ist insbesondere auch für Verbände und Vereine wichtig, da nun auch Versammlungen wieder durchgeführt werden können. Die Abstands- und Hygieneregeln sind weiterhin einzuhalten (vgl. Schutzkonzept FMH, Stand 11. Mai). Können die Distanzregeln nicht eingehalten werden, muss die Nachverfolgung enger Personenkontakte (Contact Tracing) durch den Veranstalter sichergestellt werden, etwa mit Präsenzlisten bei Versammlungen.

Bedeutung der Lockerungsmassnahmen für die fernmündlichen Behandlungen

Behandlungen auf räumliche Distanz, also per Videotelefonie oder per Telefon (sogenannte fernmündliche Behandlungen) sind weiterhin möglich. Gerne verweisen wir Sie dazu auf das vom BAG überarbeitete Faktenblatt «Kostenübername für ambulante Leistungen auf räumliche Distanz während der COVID-19-Pandemie» vom 20. Mai. Die in diesem Faktenblatt aufgeführten Weisungen und Empfehlungen sind für den Zeitraum der Geltungsdauer der COVID-19-Verordnung 2 gültig. Da diese Verordnung weiterhin in Kraft ist, bleibt die fernmündliche Therapie weiterhin möglich.

Empfehlungen für Therapiesitzungen auf Distanz

Wir empfehlen unseren Mitgliedern, bei der Verwendung telemedizinischer Tools die Patienten und Patientinnen dahingehend zu informieren und unbedingt auch deren formelles Einverständnis einzuholen. Die FMH hat zum Thema Telemedizin während der COVID-19-Pandemie ein sehr informatives Factsheet veröffentlicht. Neu bietet HIN (Health Info Net AG) in Zusammenarbeit mit der FMH das Tool «Hin Talk Video» für sichere Videokonferenzen mit Patientinnen und Kollegen an. Dieser Video-Service wird HIN-Kunden für die Dauer der COVID-19-Pandemie kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das Tool ist sehr einfach zu bedienen, funktioniert bestens und kann mit Passwort geschützt werden.

Abrechnung von telemedizinischen Konsultationen

Am 2. April hat das BAG zu den verschiedenen Anfragen im Zusammenhang mit der Kostenübernahme von ambulanten Leistungen auf räumliche Distanz durch die obligatorische Krankenversicherung nach Rücksprache mit den Dachverbänden der Krankenversicherer sowie der Medizinaltarifkommission UVG MTK mit einem Faktenblatt Stellung genommen. Im Faktenblatt ist festgehalten, dass die Gültigkeit der Empfehlungen des BAG auf den Zeitraum der Geltungsdauer der COVID-19-Verordung 2 vom 13. März 2020 befristet ist. Die Verordnung bleibt weiter in Kraft. Die Empfehlungen des Faktenblatts sind solange gültig, bis die Verordnung ausser Kraft gesetzt wird oder deren Empfehlungen angepasst werden.

Die Abrechnung soll über die TARMED-Position «telefonische Konsultation» (02.0060) mit einer Limitation von maximal 75 Minuten pro Sitzung (Einzelsetting). Für fernmündliche Kriseninterventionen soll die Tarifposition 02.0080 verwendet werden. Kolleginnen und Kollegen, deren Rechnungen für Konsultationen mit der Tarifposition 02.0060 (Telefonkonsultation) von einzelnen Krankenkassen zurückgewiesen wurden, sin eingeladen, sich bei der betreffenden Krankenkasse gegen die Ablehung auszusprechen. Verwenden Sie dazu unseren Musterbrief und fügen Sie das überarbeitete Informationsblatt des BAG vom 20. Mai 2020 hinzu mit der Erkärung, dass Sie entsprechend den Empfehlungen des BAG fakturiert haben.

Erwerbsausfall und Arbeitsrecht

Selbstständigerwerbende und Kurzarbeit/andere staatliche Entschädigungen

Mit den am 20. März 2020 angekündigten Änderungen hat der Bundesrat nun dafür gesorgt, dass die mitarbeitenden Ehegattinnen/Ehegatten oder eingetragenen Partnerinnen und Partner des Arbeitgebers (d.h. auch des niedergelassenen Psychiaters resp. der niedergelassenen Psychiaterin) neu Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben. Für sie gilt dabei eine monatliche Pauschale von CHF 3'320.00 als massgebender Verdienst für eine Vollzeitstelle. Ebenfalls einen solchen beschränkten Anspruch haben „arbeitgeberähnliche Angestellte“ (wie z.B. Gesellschafter einer GmbH).

Selbstständigerwerbende haben hingegen auch weiterhin keinen Anspruch auf Kurzarbeit. Für sie besteht gemäss der ebenfalls am 20. März 2020 in Kraft getretenen COVID-19-Verordnung „Erwerbsausfall“ aber unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Taggelder im Betrag von maximal CHF 196.00 pro Tag. Voraussetzung für den Anspruch auf Erwerbsersatz ist, dass ihr AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen im Jahr 2019 höher war als 10 000 Franken, aber 90 000 Franken nicht überstiegen hat. 

Anspruch auf Taggelder haben zudem Selbstständigerwerbende, deren öffentlich zugängliche Betriebe gestützt auf Art. 6 Abs. 2 COVID-19-Verordnung 2 behördlich geschlossen wurden. Da Arztpraxen gemäss Art. 6 Abs. 3 ausdrücklich nicht zu diesen Betrieben gehören, besteht für die niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen zurzeit kein solcher Anspruch.

Kurzarbeit für Angestellte

Kurzarbeit infolge des Coronavirus kann sowohl aufgrund von behördlichen Massnahmen als auch aus wirtschaftlichen Gründen (Ausbleiben der Patienten, Lieferengpässe für notwendige Materialien) beantragt werden. Zwingende Voraussetzung ist, dass der Arbeitsausfall in einem Kausalzusammenhang mit dem Auftreten des Coronavirus steht. Weitere Informationen zur aktuellen Lage in Bezug auf die Kurzarbeit sowie entsprechende Antragsformulare sind hier aufrufbar.

Fortbildungspflicht

Die Geschäftsleitung des SIWF hat nach Konsultation aller Fachgesellschaften entschieden, die für das Jahr 2020 geforderten 50 Fortbildungscredits auf 25 zu halbieren. Sollte sich die Situation bis Mitte Jahr nicht wesentlich verbessern, besteht die Option, in einem zweiten Schritt weitere Massnahmen zu ergreifen Zur SIWF-Website ...

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