Behandlungsempfehlungen während der Covid-19-Pandemie

Susanne Walitza, Co-Präsidentin SKK und ärztliche Direktorin des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (KJPD) der PUK


 

In der Regel dauert es mehrere Jahre bis Behandlungsleitlinien oder -empfehlungen psychiatrische Erkrankungen entwickelt oder angepasst werden. Covid-19 stellte gerade auch Kliniker und in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung Tätige in kürzester Zeit vor nie dagewesene Herausforderungen in der Behandlung von Betroffenen.

Binnen Tagen und Wochen wurden einige Konsensus-basierte Behandlungsempfehlungen von Autoren der bisherigen Leitlinien an die Covid-19-relevanten Bedingungen und Herausforderungen angepasst. Diese aktuell verfügbaren Behandlungsempfehlungen sind auf der SGKPP-Homepage zu finden. Zunächst waren Empfehlungen für ADHS im Kindes- und Jugendalter verfügbar, dann altersübergreifende Behandlungsempfehlungen für Zwangsstörungen, Substanzkonsum und z.B. schizophrene Erkrankungen. Empfehlungen zum pathologischen Medienkonsum gingen z.B. besonders darauf ein, dass Homeschooling der Kinder und Jugendlichen die schädliche Nutzung von Internet und Social Media verstärken kann. Gleichzeitig war dies der einzige Weg, Kontakt zu halten. Ein umsichtiger Umgang ist daher notwendig. Viele Patienten, aber auch gesunde Personen, konnten sich kaum mehr vom Internet lösen. Eine einfache Empfehlung dahingehend war, z.B. nur zweimal pro Tag Nachrichten zu sehen/hören.

Verschlimmerung oder mehr Sicherheit?

Zu Zwangsstörungen wurde kommuniziert, dass die Expositionstherapie – üblicherweise die erste Therapiewahl – nun auch insbesondere bei Zwängen, die Angst vor Verunreinigung, Ansteckungen umfassten; kontraindiziert sein könnte und die Medikation eine grössere Rolle spielt. Zwangsstörungen, gerade mit Angst vor Ansteckung, können sich – so waren die ersten Beobachtungen – unter Covid-19 verstärken. Einige Patienten berichteten aber auch, dass sie sich unter den Schutzmassnahmen im Lockdown sicherer fühlten. Diese verschiedenen Aspekte werden jeweils störungsspezifische in den Empfehlungen aufgenommen. Die Empfehlungen zur Schizophrenie weisen u.a. darauf hin, dass diese Patientengruppe, noch mehr als Patienten mit anderen psychischen Störungen, besonders gefährdet sein können, an Covid-19 zu erkranken. Dies gerade dann, wenn weniger Einsicht vorhanden oder der Realitätsbezug eingeschränkt ist. Die Bedeutung dieser Empfehlungen wurde von den Verlagen der Journals so hoch eingeschätzt, dass es zu einer schnellen Publikation kam, damit sie den Klinikern so schnell zur Verfügung stehen.

Häufigkeit der Orientierung an Leitlinien und Empfehlungen

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