Auswirkungen der Pandemie in der institutionellen Erwachsenenpsychiatrie

Der Kanton Basel war schnell und heftig von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Zentral war auch dort die Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden. Nachhaltig war die konstruktive Zusammenarbeit der Teams.

Frau Prof. Lang, wie sind Sie in der Basler Psychiatrie mit der Pandemie umgegangen?

Von Anfang an gab es auch bei uns täglich eine einstündige Sitzung des Pandemiestabs, in dem CEO, HR, Betrieb, Kliniken, Kommunikation, Hygienebeauftragte und Leitung der Kohortenabteilung für Covid-19-Patienten zusammenarbeiteten. Massnahmen wurden täglich den neuen Anforderungen und Fragen angepasst und konnten so synchronisiert und zeitnah kommuniziert werden.

Hatten Sie Verdachtsfälle?

Wir hatten nur einzelne Patientinnen und Patienten, die positiv getestet wurden. Alle hatten einen leichten und komplikationslosen Verlauf. Wir haben bereits Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine Infektion auf eine separate Abteilung aufgenommen und in getrennten Räumen behandelt. Diese blieben bis zum negativen Testresultat dort. So war der Spitalbetrieb nicht beeinträchtigt und wir konnten genug Schutzmaterial bereitsstellen.

Welche Bereiche waren besonders betroffen?

Die Ambulatorien haben auf Video- und Telefonkontakte umgestellt. Die Tagesklinik war vorübergehend geschlossen. Die Weiterbildungen waren gestoppt und auch unsere Vortragstätigkeit kam zum Erliegen. Wir stellten auch Besuche und Belastungserprobungen der Patienten ein, was teilweise zu früheren Entlassungen führte. Notfälle haben wir immer aufgenommen.

Welche Schutzmassnahmen haben Sie eingeleitet?

Wir hielten uns an die Vorgaben des BAG mit Hygienevorschriften und Abstandsregeln und arbeiteten eng mit dem Gesundheitsdepartement Basel-Stadt zusammen. Seither haben wir eine Maskenpflicht für alle Mitarbeitenden mit Patientenkontakt. Mitarbeitende mit Vorerkrankungen blieben zuhause. Wo möglich, haben wir auf Homeoffice umgestellt.

Welche Effekte hatte die Pandemie auf Mitarbeitende und die Patienten?

Patientinnen und Patienten litten vor allem darunter, dass sie keine Besuche empfangen konnten. Aber auch darunter, dass die psychotherapeutischen Gruppenangebote eingeschränkt wurden. Psychotherapeutische Gruppen sind ein fundamentaler Teil unserer Therapie und werden auf allen Abteilungen durchgeführt. Das Fitnessangebot und ergotherapeutische Gruppenangebote entfielen und Patientinnen und Patienten durften die Abteilungen nicht mehr so oft verlassen. Bei den Mitarbeitenden zeigte sich viel Solidarität: Sie halfen und vertraten sich gegenseitig über Abteilungsgrenzen hinweg. Ich selber habe in der Krise eher weniger Stress erlebt, da viele Vorträge, Vorlesungen, Termine und Anlässe wegfielen. Ich hoffe, etwas Entschleunigung in die Zukunft mitzunehmen.

Welche Herausforderungen bestehen nach wie vor?

Wichtig war und ist insbesondere die Kommunikation über die sich stetig ändernde Situation und die daraus folgenden Implikationen für den klinischen Alltag. Wir hatten etwa zehn Prozent weniger Patientinnen und Patienten während der Pandemiewelle. Derzeit beobachten wir die Entwicklung. Was uns vielleicht noch beschäftigen wird, sind Auswirkungen der sozialen Konsequenzen der Krise wie Arbeitslosigkeit oder finanzielle Engpässe einiger Menschen, die wiederum psychische Krisen triggern könnten

Undine Lang leitet als Klinikdirektorin die Klinik für Erwachsene und Privatklinik der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel und ist Ordinaria der Universität Basel.

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