Coronavirus-Pandemie – eine Bilanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie des CHUV

Der Kanton Waadt ist einer der drei am meisten von der Pandemie betroffenen Kantone. Die Krise war auch für die Kinder- und Jugendpsychiatrie eine grosse Herausforderung, sie hat aber zur Klärung der Aufgaben beigetragen und das klinische Angebot differenziert. Ein Teil davon wird künftig weitergeführt werden.

Die Abteilung für Kinder-und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Lausanne hat sich während der Krise darauf konzentriert, adäquate Lösungen für Kinder und Jugendliche mit akuten schweren psychischen Problemen zu finden.

Fokus auf «Stepped care-Modell»

Die Bettenanzahl in der Waadter Kinder- und Jugendpsychiatrie ist knapp bemessen, so dass viele Akutpatienten stationär in die Pädiatrie aufgenommen werden. Die Krise konfrontierte uns mit Reduktion der verfügbaren Betten in den pädiatrischen Diensten, weshalb wir in Kürze ein System aufbauen mussten, das auf Prävention zielte, um einerseits nicht unbedingt notwendige Einweisungen vor der Notaufnahme zu bewahren und andererseits die Bleibedauer stationärer Aufnahmen abzukürzen und die entlassenen Patienten über gemeindenahe Lösungen zu orientieren. Wir verstärkten dafür zunächst das Team der Triage und deren kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Hintergrunddienst. Dies sicherte die Differenzierung in ein «Stepped care-Modell». Wir erreichten damit in kurzer Zeit, dass die Kriterien für eine stationäre Aufnahme ausschließlich auf Krisensituationen bei psychiatrischen Erkrankungen beschränkt blieben.

Neue Kooperationen

Die gemeindenahen Ansätze haben wir durch eine verbesserte Zusammenarbeit mit den sozio-edukativen Einrichtungen (Heimen) des Jugendschutzes gefördert. Psychologen aus dem ambulanten Bereich übernahmen die kontinuierliche Supervision der 50 Einrichtungen im Kanton. Zudem verstärkten wir die mobilen Teams in denselben Einrichtungen, wofür wir uns die Verantwortung mit der «Fondation de Nant» für den östlichen Teil des Kantons teilten. Der Ausbau dieser Zusammenarbeit war schon mehrmals in der Vergangenheit angedacht gewesen, aber aufgrund mangelnder Ressourcen noch nicht zustande gekommen.

Neues Tageszentrum

Die Koordination zwischen dem Notdienst der Abteilung und den Ambulanzen, als auch die ad-hoc Einrichtung eines Tageszentrums für akute Krisen und Notfälle bei Jugendlichen hat die Situation entlastet. Dieses Zentrum mit kurzer Verweildauer konnte geöffnet werden, da unsere medizinisch-psychologischen Mitarbeiter in den sozialpädagogischen Einrichtungen, die unserer Abteilung angeschlossen sind, durch die transitorischen Schulschliessungen freie Valenzen hatten. Während dieser kurzen Zeit zeigte sich, dass dieses Angebot auf eine bereits bestehende Nachfrage des Systems reagierte, indem es eine Alternative zum Vollzeit-Krankenhausaufenthalt insbesondere für Jugendliche bot, die eine psychische Dekompensation erlebten oder kurz davorstanden und deren psychischer Zustand die Möglichkeiten einer ambulanten Therapie überfordert. Patienten, ihre Familien und Partner nahmen das Zentrum schnell an. Es ermöglichte einer beträchtlichen Anzahl an Patienten davon zu profitieren. Wir versuchen derzeit eine permanente Lösung für dieses Angebot einzurichten.

Reduzierte Ambulatorien

Die Ambulatorien haben ihre Aktivität während des Lockdowns deutlich reduziert. Die Therapeuten telefonierten mit jedem aktiven Patienten zu Beginn, um über den Modus des Follow-up zu entscheiden. Für viele Patienten wurde die Therapie per Telefon oder Videokonsultation weitergeführt. Falls es gewünscht war und die Hygiene- und Abstandsregeln einhaltbar waren, konnten auch persönliche Konsultationen durchgeführt werden. Wir hatten in jeder der acht Ambulatorien täglich zwei Krisentermine angeboten um sicherzustellen, dass diese Situationen frühzeitig im ambulanten Bereich abgefangen werden konnten. Wir mussten aber feststellen, dass dieses Angebot womöglich aus Angst vor einer Ansteckung nur wenig genutzt wurde

Kerstin von Plessen leitet als Klinikdirektorin die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendpsychotherapie am DP-CHUV und ist Ordinaria der Universität Lausanne.

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