


Entrustable Professional Activities (EPA) oder anvertraubare professionelle Tätigkeiten (APT) sind kompetenz-basierte Lernziele, die sich aus beobachtbaren klinischen Tätigkeiten ableiten. Statt einer primären Überprüfung von Wissen geht es also darum, das konkrete Handeln zu bewerten.
Im Studium der Humanmedizin haben Entrustable Professional Activities (EPA) mittlerweile schweizweit als Teil des humanmedizinischen Lernzielkataloges PROFILES (Principal Relevant Objectives and Framework for Integrated Learning and Education in Switzerland) Einzug gehalten. Die EPAs im Medizinstudium sind: Anamneseerhebung, Somato-/Psychostatus erheben, Differentialdiagnostische Einordnung, Untersuchungen verordnen, allgemeine Tätigkeiten wie z.B. Blutentnahme, Notfälle initial versorgen, Medikations- und Behandlungspläne erstellen, Dokumentation und Vorstellung und schliesslich das Mittragen einer Sicherheitskultur (z.B. einen Critical-Incident Report). Es ist naheliegend, in der psychiatrischen Weiterbildung an die neun im Studium vermittelten EPAs anzuknüpfen. Die Einführung von EPAs erfolgt typischerweise über ein mehrstufiges Verfahren und Länder wie Neuseeland und Australien haben diesen Prozess für die psychiatrische Weiterbildung bereits abgeschlossen.
Auch für die Schweiz kann sich dieser Prozess lohnen. EPAs können z.B. dazu dienen, zu Beginn der jeweiligen Weiterbildungsperiode die individuellen Kompetenzen systematisch zu erheben und Kandidatinnen individueller auf die Anforderungen vorzubereiten (z.B. erster Nachtdienst). Gerade aufgrund des hohen Anteils von Weiterbildungskandidaten mit ausländischen Diplomen, könnte auch die tätigkeitsbezogene Bewertung der kommunikativen Kompetenzen zu so einem Eingangsassessment gehören. Davon ausgehend sollten dann die identifizierten Entwicklungsfelder während der jeweiligen Weiterbildungsperiode gefördert werden.
Für den Bereich der Konsiliarpsychiatrie wären entsprechende EPAs z.B. das Management von suizidalen Patienten oder Suchtpatienten, im Bereich der Alterspsychiatrie z.B. das Management von behaviouralen und psychologischen Symptomen der Demenz mit nicht-medikamentösen Therapiemassnahmen oder das Mitteilen einer Demenezdiagnose unter Berücksichtigung der vorhandenen kognitiven Defizite. Ganz basal können EPAs auch dazu dienen, die Weiterbildungsperiode zu strukturieren und die Supervisions- und Lehrtätigkeit der direkten Weiterbildner zu fokussieren. In diesem Zusammenhang müssten die bereits etablierten MiniCEX zusammen mit anderen arbeitsplatz-basierten Assessments wie z.B. der anonymisierten Befragung des multiprofessionellen Teams im Umfeld der WeiterbildungskandidatIn (Multi-Source-Feedback) jedoch intensiver genutzt werden.
Die SGPP plant in der Ständigen Kommission für Weiter- und Fortbildung (SKWF) das Potential der EPAs zu prüfen und befürwortet die Etablierung von EPAs modellhaft an einigen Weiterbildungsstätten. Vertreter interessierter Weiterbildungsstätten können sich gerne bei Stefan Klöppel, Leitung Ressort Qualität beim SKWF melden. Die Modellentwicklung wird von der Erstellung eines Positionspapiers begleitet. Aufgrund der dort gemachten Erfahrungen sollte entschieden werden, ob EPAs in das Weiterbildungsprogramm integriert werden und inwieweit dadurch bestehende Inhalte zusammengefasst werden können.
Stefan Klöppel, Ärztlicher Direktor und Chefarzt Universitätsklinik für Alterspsychiatrie und Psychotherapie, UPD