

Die Motivation zum Schwerpunktthema Transition basiert auf mehreren Argumenten. Bei Kindern und bei Jugendlichen zielt das Thema auf den Prozess des Erwachsenwerdens. Dazu zielt ein Aspekt auf die Welt als solche, die von verschiedenen Kulturen und Sozialisationen geprägt ist. Die aktuelle Migrations- oder Globalisierungsbewegung konfrontiert vor allem Kinder und Jugendliche mit grossen Veränderungen. Ein weiterer Punkt zielt auf den Bereich Public Health und der Gesundheitspolitik mit der Prävention, in dem wir als Kinder- und Jugendpsychiater künftig eine stärkere Rolle einnehmen wollen. Transition bedeutet weiter, das interprofessionelle und interdisziplinäre Wissen zusammenzubringen und – last but not least – die Erkenntnisse aus der kinder- und jugendpsychiatrischen Forschung in unsere tägliche Arbeit zu transferieren. Der ESCAP-Kongress möchte Therapeuten, Forschenden sowie Psychiatern in freier Praxis und in Institutionen Antworten auf Fragen zu all diesen Aspekten der Transition anbieten.
Für den ESCAP-Kongress konnten zahlreiche Hauptreferenten gewonnen werden, die internationale Expertinnen und Experten in ihren verschiedenen Fachgebieten sind. Allesamt fokussieren sie in ihren Referaten auf Veränderungen und die Herausforderungen, die im Zusammenhang mit Transitionen einhergehen. Wir stellen Ihnen drei der Keynote-Referate vor:

Hat ein Erwachsener seine Ausbildung nicht abgeschlossen, verdient er weniger Geld als seine Freunde oder ist er am Ende obdachlos, kann das eine Folge von Problemen am Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter sein. Patrick McGorry, einer der weltweit führenden Forscher im Bereich der Jugendgesundheit und der frühen Psychosen, ist überzeugt, dass die Erfahrung während der Adoleszenz sehr stark beeinflusst, wie junge Menschen im Alter von dreissig Jahren im Leben stehen. Epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass drei Viertel der psychischen Erkrankungen bereits vor dem Erreichen des 25. Lebensjahres beginnen. «Diese jungen Menschen, die an der Schwelle zur ihren spannendsten und produktivsten Lebensjahren stehen, profitieren ungemein von evidenzbasierten Behandlungen und einer besseren Gesundheitsversorgung», betont der Kinder- und Jugendpsychiater aus Australien. Dort wurde deswegen für 12- bis 25-Jährige ein neues System der erweiterten Primärversorgung – Headspace – entwickelt. Im Rahmen des ESCAP-Kongresses stellt McGorry nicht nur die Resultate seiner Arbeiten vor, er berichtet auch über dieses in 100 australischen Gemeinden etablierte Programm. Mehr erfahren...

«Die Zeit ist reif für eine radikale Verschiebung in der Behandlung von Depressionen bei jungen Menschen», so die Kernaussage von Patrick Luyten, Professor an der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften in Leuven. Depressionen zählen zu den führenden Ursachen von Behinderung, Morbidität und Mortalität bei Jugendlichen. «Zwar konnten in den vergangenen Jahren viele effektive Behandlungen entwickelt werden, gleichzeitig realisieren wir aber immer mehr, dass diese ihre Grenzen haben», sagt der belgische Forscher. Diese Erkenntnisse zwingen zur Reflexion über die Ursachen und Behandlung der Depressionen bei Jugendlichen. Im Rahmen seines Vortrags stellt Luyten ein integratives Entwicklungskaskadenmodell der Depression vor, das auf biologischen und entwicklungspsychopathologischen Überlegungen basiert. Dabei geht es darum, neue Implikationen für die Entwicklung, Bewertung, Schulung und Verbreitung von Interventionen für Jugendliche mit Depressionen aufzuzeigen. Mehr erfahren...

«Investitionen in die elterliche psychische Gesundheit, Zugang zu Pflege und Bildung sowie frühe Intervention sind die beste Unterstützung für Kinder aus niedrigen sozioökonomischen Schichten», so der Standpunkt von Maria Melchior, die viel über die Auswirkungen von sozialen Problemen – wie Armut, Krieg oder Diskriminierung – auf die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geforscht hat. Einige ihrer Studien zeigen, dass sich das «Entreissen» von Kindern aus der Armut positiv auf ihre psychische Gesundheit auswirkt. Die Forscherin am Pierre Louis Institut für Epidemiologie und Public Health spricht am ESCAP-Kongress über diese Zusammenhänge. Mehr erfahren...