

Die Forschung rund um die Pandemie läuft so intensiv und schnell wie noch nie. Auch in der Psychiatrie ist das Thema ein aktueller Forschungsschwerpunkt. Hier ein erster Überblick über internationale und nationale Studien im Fachgebiet.

Susanne Walitza, ärztliche Direktorin des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (KJPD) der PUK
Die «Swiss Corona Stress Study» der Universität Basel unter Leitung von Prof. Dominique de Quervain führte eine erste Erhebung während des Lockdowns zwischen dem 6. und 8. April durch. Aufgrund der Art der Datenerhebung in Form einer offenen Online-Umfrage handelt es sich per Definition nicht um eine repräsentative Umfrage. Allerdings bildet die Population der Befragten bezüglich soziodemografischer Merkmale ein breites Spektrum der Schweizer Bevölkerung ab. Die neuen Resultate aus der Swiss Corona Stress Study beziehen sich auf den Erhebungszeitraum vom 11. Mai bis 1. Juni 2020, also auf die Zeit der schrittweisen Lockerung der Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus. In diesem Zeitraum haben 10'303 Personen aus der gesamten Schweiz an der anonymen Online-Umfrage unter coronastress.ch teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Angst der Bevölkerung vor dem Coronavirus seit dem Ende des Lockdowns zwar abgenommen hat, es fühlen sich jedoch nach wie vor 40 Prozent gestresster als vor Beginn der Pandemie. Die Häufigkeit schwerer depressiver Symptome blieb auch nach den Lockerungen vergleichbar hoch. Interessanterweise schienen ältere Personen weniger anfällig für depressive Symptome in der Coronakrise zu sein. Mehr lesen ...
Bei der «Collaborative Outcomes study on Health and Functioning during Infection Times (COH-FIT)»-Studie handelt es sich um eine grosse, internationale Umfrage bei der Bevölkerung in Ländern, die von der Coronavirus-Pandemie (Covid-19) stark betroffen sind. An dem Projekt sind mehr als 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 35 Ländern beteiligt – auch aus der Schweiz. Das Projekt wurde von verschiedenen nationalen und internationalen Fachorganisationen unterstützt. An der Studie haben schon über 66.000 Personen aus über 130 Ländern teilgenommen. Die einzige Gruppe, von denen noch relativ wenig Teilnehmer dabei sind, sind Jugendliche. Wir empfehlen daher, dass wir die Studie im Speziellen für diese Altersgruppe noch unterstützen und Jugendliche motivieren an der Studie teilzunehmen. Mehr lesen ...
Im Rahmen eines Europäischen Projektes einer ECNP Gruppe von Kinder- und Jugendpsychiatern wurde in Zürich eine Online-Befragung zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Patienten der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zum Thema Coronavirus-Krise, Psyche und Mediengebrauch unter Leitung von Dr. Anna Werling, Prof. Renate Drechsler und Prof. Susanne Walitza durchgeführt. Die Befragung von Eltern und Patienten erfolgte online, war freiwillig und anonym. Gefragt wurde nach Veränderungen im psychischen und körperlichen Befinden während des Lockdowns und in den letzten zwei Wochen. Der Fokus der Befragung lag auf dem Umgang mit Medien / dem Internet und zu Veränderungen in diesem Bereich durch die Krise. Die Ergebnisse der Befragung ermöglichen ganz direkte Schlussfolgerungen, mit welchen Auswirkungen der Coronakrise in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu rechnen ist und wie wir als Behandler darauf reagieren können. Neben der Schweizerischen Perspektive ist der Vergleich mit anderen Europäischen Ländern möglich. Die Studie wurde von Dr. Anna Werling und Prof. Renate Drechsler durchgeführt. Erste Ergebnisse sollten am 28. August beim SGKJPP Kongress präsentiert werden. Mehr lesen ...
Die psychischen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Jugendliche und ihre Eltern in der Schweiz und erfolgreiche Bewältigungsstrategien: Diese Schweizer Studie zielt darauf ab, die Auswirkungen von Covid-19 zu untersuchen, um für die nahe, aber auch weitere Zukunft nachhaltige präventive Massnahmen entwickeln zu können. Es wird eine Stichprobe aus der «Swiss Youth Epidemiological Study on Mental Health (S-YESMH)» untersucht, die ein repräsentatives Kollektiv von 3840 Jugendlichen umfasst, die zwischen 1996 und 2000 geboren wurden. Eine neue Erhebung an dieser Stichprobe erlaubt, die aktuellen Ergebnisse mit den früheren Befunden zum psychischen Gesundheitszustand zu vergleichen. Eine weitere nationale repräsentative Stichprobe untersuchte 1000-1200 Kindern und Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren. In dieser Stichprobe kann der psychische Gesundheitszustand während der Pandemie ermittelt und diese Ergebnisse mit früheren Daten verglichen werden, z.B. mit der Optimus-Studie. Das LINK Institut für Markt- und Sozialforschung wurde mit der Durchführung der Befragung beauftragt. Prof. Meichun Mohler-Kuo und Prof. Susanne Walitza leiten die Studie. Mehr lesen ...