Christoph Gitz, Geschäftsführer
Um der Übertragung des neuen Coronavirus vorzubeugen, haben viele Psychiaterinnen und Psychiater vorübergehend die persönlichen Behandlungen durch Telefon- oder Videobehandlungen ersetzt. Die FMPP-Taskforce Covid-19 hatte Anfang Juni eine anonymisierte Kurzumfrage gestartet, um zu erfahren, wie Patienten und Patientinnen diese neue Form der Behandlung erleben und beurteilen. Die Anzahl der Teilnehmenden an der Umfrage liegt aktuell bei über 400, 63% davon sind Frauen. Wir bedanken uns bei allen Mitgliedern, die ihre Patientinnen und Patienten animiert haben, uns an ihren Erfahrungen mit der sogenannten fernmündlichen Behandlung teilhaben zu lassen.
Hier einige interessante erste Resultate der Umfrage:
- Die grosse Mehrheit der Teilnehmenden ist länger als ein halbes Jahr in Therapie. Auch hat eine Mehrheit während der Pandemie mehrere Konsultationen über Telefon und Video erlebt, so dass sie die Präsenzkonsultation vor der Pandemie gut mit der Behandlung über Telefon oder Video während der Pandemie vergleichen können.
- Bezogen auf einige wichtige Attribute in der Therapie wird deutlich, dass die Patientinnen und Patienten grossmehrheitlich keine qualitative Unterscheidung zwischen der Präsenz- und der Telefon-/Videobehandlung machen.
- Relativ indifferent beurteilen sie diesbezüglich ihre Beziehung zum Behandelnden wie auch das Verständnis des Arztes/der Ärztin für ihre Probleme. Die Möglichkeit der Artikulation von Problemen, der Fokussierung auf zentrale Themen sowie der therapeutische Nutzen als Ganzes wird fast von einem Drittel der Antwortenden in der fernmündlichen Behandlung schlechter beurteilt als bei der Präsenzkonsultation.
- Nur jede fünfte oder jeder zehnte der Antwortenden sah in der Behandlungsform während der Pandemie für sich eine Verbesserung.
- Mehr als die Hälfte der Antwortenden wünschen sich für die Zukunft eine persönliche Behandlung «face to face» und weniger als 10 Prozent könnten sich auch für die Zukunft allein eine fernmündliche Behandlung vorstellen, wobei die Videokonsultation gegenüber dem Telefon leicht bevorzugt wird. Gut ein Drittel der Teilnehmenden an der Kurzumfrage äussern bezüglich dieser beiden Formen der Behandlung keine Präferenz.
- Sicher ist ein Urteil über die Eignung einer fernmündlichen Behandlung gegenüber der Präsenzbehandlung auch abhängig von der Art der psychischen Beeinträchtigung bzw. Krankheit, die aber in dieser Kurzumfrage nicht berücksichtigt wurde.