


Gerade die Psychiatrie ist ein sehr spannendes Medienthema und so ist der Einbezug von Fachpersonen in Medienbeiträge etwas, das stark zunimmt. Der Experte beantwortet somit stellvertretend die Fragen des Medienkonsumenten und hilft mit seinem Fachwissen, das Geschehen einzuordnen und zu erklären. Experten werden angefragt, um Hinter- und Beweggründe zu verdeutlichen. Sie erläutern beispielsweise, was die Handlungsmotivation eines Selbstmordattentäters sein kann. Sie können beschreiben, was Opfern von Terroranschlägen am besten helfen kann. Oder Sie können aufzeigen, was eine Borderlinestörung für das Umfeld des Betroffenen bedeutet. Wenn in einer psychiatrischen Praxis aber das Telefon klingelt und ein Journalist nach einer Expertenmeinung fragt, herrscht aber oft Aufregung. Dabei gibt es jene, die bereitwillig zu allem und jedem etwas zu sagen haben. Der Mehrzahl der Angefragten ist eine solche Anfrage nicht ganz geheuer. Viele von ihnen lehnen jeden Medienkontakt ab. Während also die einen, oft zu viel sagen, verpassen die anderen eine Chance – nicht zuletzt für psychiatrische Patientinnen und Patienten, aber auch für das Fachgebiet ganz allgemein und sich selber als Fachexperte und Persönlichkeit. Wie aber verhält man sich am besten gegenüber Medienschaffenden? Bei vielen öffentlichen Funktionsträgern hat es sich eingebürgert, dass sie ein professionelles Medientraining besuchen. Dies ist allen zu empfehlen, die immer wieder mit Medien zu tun haben und auch ihre Inhalte gezielt über Medienarbeit kommunizieren wollen. Und doch gibt es wenige Kniffs, mittels derer eine Medienanfrage gut beantwortet werden kann. Zuerst gilt: Zeit zu gewinnen, den Inhalt der Medianfrage zu kennen und zu prüfen, ob man wirklich die richtige Auskunftsperson ist. Nie sollte auf eine Medienanfrage unvorbereitet geantwortet werden. Jeder – ob Experte oder nicht – muss die Fakten kennen. Risiko der medialen Expertenrolle ist es, sich in Spekulationen zu verirren, deshalb soll das vermieden werden. Auch sollte stets an das Zielpublikum des Beitrags gedacht werden, denn der Journalist ist nur der Übermittler. Und zum Schluss: Ein Mediengespräch ist nicht vorbei, wenn der Journalist sich verabschiedet. Erst danach entsteht der Text. Zitate müssen also kontrolliert und ggf. korrigiert werden. Die gequoteten Experten haben ein Recht dazu.
Quellen u.a.: Medientraining FMPP, 2017, Deicher und Kopp AG, Kommunikationsagentur, Luzern