SGPP-Jahreskongress – die Psychiatrie von morgen heute diskutieren

Vom 13.-15. September 2017 findet der SGPP-Jahreskongress wiederum in Bern statt, diesmal zum Thema «Psychiatrie der Zukunft». Wir werden uns mit den möglichen Entwicklungen der Psychiatrie in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten beschäftigen. Wir wünschen uns, damit auf das notwendige Interesse zu stossen und einen Beitrag zu einem zukunftsorientierten Dialog zu leisten.


Eine Voraussetzung, sich mit den Möglichkeiten einer künftigen Entwicklung auseinanderzusetzen besteht darin, einen Blick auf frühere Behandlungsaspekte und bisherige Entwicklungen zu werfen. Der Vergleich der gängigen psychiatrischen Versorgung vor 200 Jahren mit heute manifestiert immense Unterschiede der ätiologischen Sicht, der Diagnose und des Umganges, welcher in der überwiegenden Zahl der Fälle vor 200 Jahren die Bezeichnung einer Behandlung aus heutiger Sicht nicht verdiente. Eine Konstante, welche den gesamten zeitlichen Verlauf wie ein roter Faden durchzieht, ist die wertende Haltung im Sinne einer Stigmatisierung von psychisch kranken Menschen und letztlich auch derjenigen, die sich ihnen angenommen haben. Diese reduzierte Wertschätzung zeigt sich bis heute auch in den finanziellen Mitteln, die bezogen auf den Einzelfall zur Abklärung, Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen zur Verfügung gestellt werden. All diesen Schwierigkeiten zum trotz haben sich die Rahmenbedingungen für psychisch Kranke im Verlauf der vergangenen 200 Jahre deutlich verändert und zumindest in der westlichen, liberal orientierten Welt auch entsprechend  verbessert. Ein Blick über den Tellerrand unseres Faches hinweg in Richtung der anderen medizinischen Spezialitäten zeigt leider dennoch nach wie vor  erschreckende wertungsbedingte Unterschiede.

Entwicklung der Psychiatrie

Der Forschungsplatz Schweiz war über Jahre wesentlich an der Weiterentwicklung der Psychiatrie und deren Möglichkeiten beteiligt und hatte damit durchaus auch einen globalen Einfluss. Es sei an Namen wie A. Faurel, C.G. Jung, E. Bleuler, L. Binswanger, A. Hofmann, (K. Jaspers) u.a.m. erinnert, welche wesentliche Exponenten einer so genannten schweizerischen Psychiatrie darstellten. Vermutlich hat die Verschonung vor kriegerischen Aktivitäten in dieser Zeit einen wesentlich Beitrag dazu geleistet, dass sich in der Schweiz auch für diese Entwicklungen günstigere Rahmenbedingungen für eine entsprechende Forschung  ergaben. Solche Rahmenbedingungen beeinflussen Wissenschaften generell und permanent. Die Psychiatrie steht hier darüber hinaus in besonderem Masse in einer Beziehung zu gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, was entsprechende Einflussfaktoren verstärkt. Daraus ergibt sich für die Psychiatrie auch die ethische Forderung, sich laufend und kritisch mit den entsprechenden Einflussgrössen und deren Auswirkungen auf unsere Tätigkeit kritisch auseinanderzusetzen. Die Rahmenbedingungen, welche die künftige Forschung und Entwicklung der Psychiatrie prägen, sind vielfältig und komplex. Die gesellschaftlichen Entwicklungen werden stark durch  demografische, ökonomische, ökologische, politische und ideologische Veränderungen geprägt sein. Sie vollziehen sich mithin langsam und damit oft auch unmerklich. Dabei besteht die Gefahr, Risiken und Chancen, welche sich daraus ergeben, zu übersehen und damit die bewusste, zeitgerechte Einflussnahme zu verpassen, z.B. die rechtzeitige Entwicklung und Bereitstellung von Ressourcen im Bereich der Alterspsychiatrie oder der Umgang mit Veränderungen der sozialen Gefüge im Rahmen einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt etc.

Zukunftsorientierter Diskurs 

Wir wollen am diesjährigen Kongress ein besonderes Signal in Richtung Zukunft setzen und insbesondere auch jüngeren Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit geben, ihre Ideen und Forschungsprojekte im Rahmen von 4 Symposien, in welchen jeweils Referenten der fünf Universitätskliniken ein Kurzreferat halten werden, zu präsentieren. Für unser Fachgebiet ist der zukunftsorientierte Diskurs mit dem Ziel einer zeitgerechten, realisierbaren und hohen ethischen Standards genügenden Versorgung in den kommenden Jahrzehnten verpflichtend. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für eine lebendige Weiterentwicklung unserer Möglichkeiten, den Menschen mit psychischen Krankheiten eine effiziente medizinische Unterstützung auch in Zukunft anbieten zu können.

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