

Psychiaterinnen und Psychiater können mehr dazu beitragen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen ihren Job behalten können. Das zeigt eine Studie der Psychiatrie Baselland und der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP).

Psychische Störungen sind weltweit zunehmend Grund für Krankschreibungen. Einfluss darauf, ob Betroffene im Arbeitsprozess verbleiben können, hat die Gestaltung und Qualität des Beziehungsfeldes Patient, Psychiater und Arbeitgeber. Eine heute veröffentlichte Studie ist dem Thema im Auftrag der SGPP nachgegangen und hat erstmals Schweizer Psychiaterinnen und Psychiater ausführlich zu Arbeitsproblemen ihrer Patienten und der Praxis der Krankschreibungen befragt.
Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen haben berufliche Probleme: Mehr als die Hälfte aller Patienten hat entweder Schwierigkeiten bei der Arbeit, ist arbeitslos, sozialhilfeabhängig oder berentet. Die Studie zeigt erstmals wie die verschiedenen psychischen Erkrankungen die Betroffenen beruflichen einschränken. Es finden sich in der Arbeitsbiografie bei zwei Drittel der Patienten fünf typische Problemmuster.
Die Studie zeigt auch, dass noch einiges zu verbessern ist: So nehmen Psychiater bisher nur selten Kontakt mit dem Arbeitgeber des Patienten auf. Ein Grund für diese Zurückhaltung ist in der Komplexität der psychiatrischen Behandlung zu finden, deren Basis die gute Beziehung zwischen Arzt und Patient ist. Für den Arbeitsplatzerhalt und für eine erfolgreiche Reintegration muss der Austausch aller Beteiligten jedoch verbessert werden. Ziel ist es, stärker zur Integration beizutragen. Patienten sollen so früh als möglich, wieder arbeiten können, auch mit Teilzeiteinsätzen. Die von den Psychiatern attestierten Arbeitsunfähigkeiten dauern insgesamt mit durchschnittlich sechs Monaten recht lange.
Wie eine Arbeitsfähigkeit beurteilt wird, ist den Studienresultaten zufolge hingegen unterschiedlich. Arbeit ist ein wichtiges Thema für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, weshalb die behandelnden Psychiaterinnen und Psychiater stärker sensibilisiert werden müssen – auch im Rahmen der Weiter- und Fortbildung. Die SGPP will nun Empfehlungen zur Erstellung von Arbeitsunfähigkeitszeugnissen erarbeiten. Auch soll der Früherkennung mehr Beachtung geschenkt werden.