


Im Fokus der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich als grösste kantonale Versorgungseinheit standen das Notfallmanagement, die Telemedizin, die Sicherstellung der allfällig erforderlichen medizinisch- infektiologischen Versorgung sowie die Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden.
In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Zürich (KJPP) wurden zeitgleich mit dem Lockdown durch den Bundesrat und der ausserordentlichen Lage verschiedene Massnahmen im Rahmen eines Pandemieplans umgesetzt. Abhängig von einem übergeordneten Schutzkonzept des für die gesamte PUK Zürich eingesetzten Pandemiestabes, welches sich an den äusseren Rahmenbedingungen wie Pandemieentwicklung sowie Vorgaben des Kantons und des Bundes orientierte, wurde es dann in der KJPP als einer von vier Subkliniken der PUK umgesetzt und schrittweise wieder gelockert. Diese Schritte wurden intern kontinuierlich abgestimmt und in den Abteilungen engmaschig kommuniziert. Im ambulanten Bereich bezogen sich diese Massnahmen vorwiegend auf den Modus der Konsultationen: Neben persönlichen Konsultationen wurden telemedizinische Behandlungen durchgeführt sowie das Notfallmanagement sichergestellt.
Im teilstationären Bereich war die Organisation abhängig von den jeweiligen lokalen Gegebenheiten. Die Interventionen reichten von Fortsetzung des Angebots bis vorübergehende Schliessung von Plätzen oder videogestütztes Angebot inklusive Homeschooling, da eine Tagesklinik für eine potentielle Covid-19 Station vorgehalten wurde. Stationär wurden sämtliche Bettenkapazitäten aufrechterhalten, wobei standortabhängig unterschiedliche Schutzmassnahmen erforderlich waren, beispielsweise weniger Schutzmassnahmen im Hinblick auf Besuche und Belastungserprobungen bei den Kindern, aber starke Einschränkungen bei den Jugendlichen. Infolge der klinikinternen Schutzmassnahmen kam es zu einer «Austrittswelle» auf den Jugendlichenstationen und einer Zunahme von Kurzhospitalisationen. Über zirka zwei Monate konnten sämtliche Notfallhospitalisationen in der KJPP umgehend umgesetzt werden.
Geplante Eintritte gingen zurück. Dies entweder, weil die Jugendlichen und Familien von bestimmten Fragestellungen entlastet waren – insbesondere Leistungsanforderungen der Schule – oder weil sie die Hospitalisation infolge der Rahmenbedingungen als schwieriger empfanden. Auf den Kinderstationen kam es hingegen zu keiner Veränderung der Patientenströme. Insgesamt haben sowohl die Mitarbeitenden als auch die Patientinnen und Patienten und deren Umgebungspersonen die Massnahmen für uns beachtlich gut mitgetragen. Es gab fast keine „Wegläufer“, die Kinder und Jugendlichen trugen Masken und konnten bei entsprechender Erklärung auch den Sinn der Massnahmen gut nachvollziehen. Auch die Rückkehr zum alten Ablauf erforderte viel Kommunikationsarbeit, wurde aber auf Grund der erhöhten Flexibilität und Freiheitsgrade von allen Beteiligten sehr begrüsst.
Als Gewinn blieb für uns die Erfahrung, dass die Telemedizin eine sinnvolle und pragmatische Zusatzintervention sein kann und dass das gemeinsame Erarbeiten von Massnahmen mit allen Beteiligten Früchte trägt. Auch konnten wir indirekt Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Belastungsfaktoren der Jugendlichen und Familien ziehen: Mit den allgemeinen Lockerungsmassnahmen stieg der Anforderungsdruck und mit ihm kam es nach unserer Beobachtung zu einem Rebound an schweren Krisen bei den Kindern und Jugendlichen innerhalb und ausserhalb der Klinik.
Hadmut Prün ist Chefärztin des Zentrums für Jugendpsychiatrie an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.