FMPP: Jahresrückblick 2019 und Vorausschau 2020

Im Fokus des zu Ende gehenden Jahres stand die Mitarbeit an der Tarifstruktur TARDOC, die Vernehmlassung zum Anordnungsmodell. Im Jahr 2020 soll das Konzept externe Kommunikation umgesetzt werden, dazu steht die Wahl der Vorstandsmitglieder für die nächste Legislatur an. 

Pierre Vallon, Präsident FMPP/SGPP
Alain Di Gallo, Präsident SGKJPP
Christoph Gitz, Geschäftsführer FMPP/SGPP


 

Der zweite Tarifeingriff des Bundesrates auf den 1. Januar 2018 hat zu wichtigen Abrechnungsproblemen geführt (z.B. Überschreitung der Limitationen auf Leistungen in Abwesenheit), die im 2019 Kapazitäten für Besprechungen mit dem BAG und den Versicherungsträgern gebunden haben. Das erste Massnahmenpaket des Bundesrates zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen wird konkrete Veränderungen mit sich bringen (vgl. KVG-Teilrevision vom 21. August 2019). So sind die Tarifpartner gehalten innert zweier Jahren ein nationales Tarifbüro zu schaffen, ansonsten der Bundesrat seine eigene Tariforganisation entwickeln wird (Anfang vom Ende der Tarifpartnerschaft). Auch sollen die Tarifpartner in nationalen Tarifverträgen Kostensteuerungsmassnahmen entwickeln, was nichts anderes heisst, als dass die Tarifpartner über Budgetdeckelungen die Kosten senken und implizit die Leistungen rationieren sollen (Globalbudget!).

Die Tarifpartner FMH und Curafutura haben Mitte Juli 2019 der Bundeskanzlei gemeinsam entwickelte und verhandelte Tarifstruktur TARDOC übergeben. Die Tarifverantwortlichen der FMPP haben hier über mehrere Jahre und auch noch im ersten Halbjahr 2019 äusserst intensiv mitgearbeitet. Die neue Leistungsstruktur Kapitel BF Psychiatrie bringt für die Psychiatrie sehr relevante Neuerungen (Krisenkonsultation, Wegstrecke, telemedizinische Leistungen, Leistungen in Abwesenheit, abrechenbare Gruppentherapie und Berichtserstellung, Kinderzuschläge und sowie die Dringlichkeits- und Notfall-Inkonvenienzen). Obschon der Bund jahrelang auf die hohe Dringlichkeit der Tarifrevision hingewiesen hat, räumt er nun dem Tarifvorschlag keine hohe Priorität mehr ein. Es gibt auch keine formelle Rückmeldung, wie es weitergehen soll. Er möchte zuerst eine Stellungnahme derjenigen Stakeholder, die sich nota bene im Erarbeitungsprozess nicht beteiligt bzw. aus diesem ausgeklinkt haben, «les absents n’ont pas toujours tort». Auch ist nicht gesichert, ob und wenn ja wann eine allfällige Vernehmlassung zu einer Tarifstruktur für ambulante Leistungen stattfindet. Die Inkraftsetzung einer neuen Tarifstruktur ist deshalb vor Beginn 2022 unwahrscheinlich. Immerhin liess sich der Bund verlauten, dass in dieser Zeit kein weiterer bundesrätlicher Tarifeingriff geplant sei.

Die Vernehmlassung zur Änderung der Verordnung vom 27. Juni 1995 über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) und der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV; SR 832.112.31) betreffend Neuregelung der psychologischen PsychotherapeutInnen im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (Systemwechsel von der Delegierten Psychotherapie zu einem Anordnungsmodell) hat über den Sommer bis zur Abgabe der Vernehmlassungsantwort im September und darüber hinaus grosse Kräfte innerhalb beider Fachgesellschaften SGPP und SGKJPP gebunden. Der Einheit der Psychiatrie und ihrer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht förderlich sind interne Differenzen in der Beurteilung der Auswirkungen der Verordnungsänderungen namentlich zwischen Niedergelassenen und Institutionellen in Bezug auf die zukünftige tarifarische Abdeckung ihrer Leistungen. Die von vielen Stakeholdern im Rahmen des Vernehmlassungsprozesses eingebrachten Kritikpunkte zum Systemwechsel haben das BAG veranlasst, im Hinblick auf eine Weiterentwicklung der Verordnungsänderungen die relevanten Partner mit einzubeziehen (voraussichtlich im Mai 2020). Die Verantwortlichen der FMPP haben ihre Mitarbeit mit einer Koordination unterschiedlicher Positionen innerhalb der Psychiatrie dem BAG zugesichert und erwarten eine baldige Information über das weitere Vorgehen.

Die Delegierten der FMPP haben dem Antrag des Vorstands zugestimmt, die Ständige Kommission für Qualität SKQ aufzulösen. Dies vor dem Hintergrund, dass die konzeptionelle Grundlagenarbeit zwar abgeschlossen ist, die konkrete Umsetzung notwendiger struktur-, prozess- und ergebnisorientierter Qualitätsmassnahmen jedoch eng mit den Kommissionen für Weiter- und Fortbildung der beiden Fachgesellschaften SGPP und SGKJPP verknüpft sind. Aus diesem Grund soll inskünftig die Qualität als Ressort in diesen Kommissionen organisiert werden. Für die Wahrnehmung von Koordinationsaufgaben beider Fachgesellschaften wird der Vorstand FMPP Ad-hoc-Arbeitsgruppen einsetzen (vgl. dazu auch der Nationale Qualitätsbericht des BAG und davon abgeleitete Massnahmen wie etwa die Einrichtung einer eidgenössischen Qualitätskommission und der Lancierung nationaler Qualitätsprogramme).

Im Jahr 2020 werden die Arbeiten auf den verschiedenen oben beschriebenen Baustellen weitergehen. So wird etwa die Vernehmlassung zum zweiten Massnahmenpaket zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen erwartet, die ursprünglich für Ende 2019 geplant war. Im ersten Quartal sollen die Mitglieder über ihre Erfahrungen mit der in der Pilotphase der letzten beiden Jahre neu gestalteten internen Information (Online- und Print-newsletter) in Ablösung von Bulletin und Archiv für Neurologie und Psychiatrie schriftlich befragt werden. Des Weiteren gilt es 2020 das Konzept der externen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit umzusetzen, um so auf die im Zusammenhang mit der Vernehmlassung zur Verordnungsänderungen «Anordnungsmodell» von verschiedenen internen Seiten geäusserten Kritik an der FMPP-Medien und -Öffentlichkeitsarbeit zu reagieren.

An der FMPP-Delegiertenversammlung vom 12. November 2020 kommt es zur Wahl der Vorstandsmitglieder der FMPP. Es zeichnen sich mehrere Veränderungen in den beiden Vorständen SGPP und SGKJPP ab, so dass auch der Vorstand FMPP in anderer Zusammensetzung in die neue Legislatur steigen wird. Die SGPP wird die Wahl des neuen Präsidenten, der neuen Präsidentin bereits an der Delegiertenversammlung vom 4. Juni 2020 vornehmen. Sie oder er wird sein Amt vom scheidenden Präsidenten Pierre Vallon anlässlich der Herbst-DV im November übernehmen. Die Ausschreibungen der verschiedenen Ämter werden im ersten Quartal 2020 – basierend auf aktualisierten Stellenbeschreibungen – im internen Bereich der Homepage aufgeschaltet sowie über die verschiedenen internen Informations- und Kommunikationskanäle bekannt gemacht (Ankündigung an alle Mitglieder und Publikation im Migliederteil der Homepage). Schliesslich darf die SGPP 2020 auch ihr 125jähriges Bestehen feiern, was namentlich auch im Rahmen eines besonderen Kongresses vom 30. September bis 2. Oktober in Lugano geschehen soll.

Präsidium und Vorstand FMPP bedanken sich bei dieser Gelegenheit bei allen mitwirkenden Kreisen innerhalb der Fachgesellschaften für das Vertrauen und die Mitarbeit und freuen sich auf die gemeinsame Arbeit an den psychiatrie-relevanten Herausforderungen im neuen Jahr. 


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