


Nachruf von Professor Stephan Eliez, Ärztlicher Direktor Kinder- und Jugendpsychiatrie, HCUG
Mit grosser Trauer haben wir vom Tod von Juan Manzano erfahren. Im Namen derjenigen, die ihn kannten, insbesondere seiner Kollegen Francisco Palacio-Espasa und Bertrand Cramer, möchte ich im Rahmen dieses Nachrufs unseren Respekt und unsere Dankbarkeit für seinen Beitrag zur Genfer Kinderpsychiatrie zum Ausdruck bringen. Juan Manzano hat mit seinem Engagement die Genfer Schule massgeblich geprägt.
Professor Juan Manzano war von 1983 bis zu seiner Pensionierung im Dezember 2004 Direktor des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes in Genf und seit 1990 Professor der Medizinischen Fakultät. Manzano hat massgeblich an der Entwicklung des Beratungsangebots des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes mitgewirkt. Das damit etablierte therapeutische Modell berücksichtigt sowohl das Wissen der modernen Kinder- und Jugendpsychiatrie als auch die psychodynamische Methodenvielfalt. Professor Manzano stärkte und strukturierte die Ausbildung in der Psychotherapie. In enger Zusammenarbeit mit Professor Cramer, dem Leiter der Entwicklungspädiatrie, entwickelte er die Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie massgeblich weiter. Dies hat dazu geführt, dass der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst als nationales ärztliches Weiterbildungszentrum für die Facharztausbildung und als Fortbildungszentrum für Kinder- und Jugendpsychotherapie für Psychologen anerkannt wurde.
In seinen Behandlungskonzepten legte Manzano Wert eines beobachtungsbasierten Vorgehens. Dies veranlasste ihn zusammen mit Bertrand Cramer und Francisco Palacio-Espasa in den 1970er Jahren, das strukturierte Beobachtungsraster zu entwickeln, das auch heute noch für die Ausbildung und klinische Beobachtung von Patienten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie verwendet wird. Viele Kolleginnen und Kollegen erinnern sich noch heute an seine lebhaften Fallvorstellungen im Besprechungsraum am Boulevard Saint-Georges, die nicht selten zu endlosen Diskussionen über die Diagnose des Patienten führten. Seine Fähigkeit zur Beobachtung, die Präzision seines prospektiven Diagnosevermögens, seine noch heute erkennbare klinische Präsenz und sein Engagement in der Ausbildung haben uns tief beeindruckt. Sein Handeln galt stets dem Anliegen, die Komplexität des Patienten in seiner klinischen, relationalen und sozialen Dimension zu berücksichtigen. Juan Manzano engagierte sich für die Aus- und Weiterbildung. Er war viele Jahre Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse und der SGKJPP. Dazu war er Gründungsmitglied von SEPYPNA, der Spanischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mehrere Generationen von spanischen Kinder- und Jugendpsychiatern verdanken ihm ihre kompetente Ausbildung.
Über seine medizinischen Fähigkeiten und den pädagogischen Rahmen seines Denkens hinaus ist es Juan Manzanos humanistischer Einsatz, der hervorgehoben werden muss. Die Verteidigung des Individuums in seinen Rechten und Entwicklungsmöglichkeiten stand seit jeher im Mittelpunkt seiner persönlichen Philosophie. Dies galt für seine jungen Patienten und deren Eltern wie auch für die Kollegen und Mitarbeitenden, die unter seiner Verantwortung gearbeitet haben. Juan Manzano begegnete seinen Gesprächspartnern, stets mit dem grössten Respekt vor der Persönlichkeit des anderen. Er war zutiefst davon überzeugt, dass selbst die am stärksten betroffenen Patienten das zu entwickelnde Heilpotenzial in sich tragen.
Professor Juan Manzano ist im März 2019 in seinem achtzigsten Lebensjahr verstorben. Seine Spuren haben die Arbeit der Kinder- und Jugendpsychiatrie nachhaltig geprägt. Unsere Gedanken begleiten seine Familie und seine Lieben.