Newsletter 02/2024

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wahrlich, ein heisser Sommer steht uns bevor – wenn vielleicht nicht klimatisch, so doch ganz sicher gesellschaftspolitisch! Die beiden bevorstehenden Abstimmungen im Juni und die Parlamentsarbeit der kommenden Monate rund um die Kostendämpfungspakete sind brisant.
Die sogenannte Kostenbremse-Initiative hat es in sich. Verstehen die Wählerinnen und Wähler, dass bei einer Annahme die Krankenkassen nicht mehr alle Kosten übernehmen werden? Sind sie sich bewusst, dass eine Zweiklassenmedizin droht, ähnlich der Situation in anderen europäischen Ländern, wo schnelle Behandlungen und Operationen oft von den privaten finanziellen Mitteln abhängen? Besonders für diejenigen, die bereits am unteren Ende der sozialen Skala stehen, ist diese Initiative eine ernsthafte Bedrohung – viele von ihnen sind unsere Patienten.
Es ist alarmierend, dass dort, wo tatsächlich Kosteneinsparungen möglich wären, nicht gehandelt wird: Dass die Einführung des Tardoc, der die sprechende Medizin endlich besserstellen sollte, erneut verzögert wird, ist eigentlich unfassbar. Seit der ersten Einreichung beim Bundesrat im Jahr 2019 wurde der neue Tarif mehrmals gemäss den gestellten Forderungen überarbeitet und nachgebessert. Dennoch sind wir gezwungen, weiterhin auf eine gerechte Bewertung unserer Leistungen zu warten. Es ist frustrierend zu sehen, wie die Regeln während des Spiels ständig geändert werden. Das trägt nicht nur zur Frustration bei, sondern schürt auch Unsicherheit.
Ich bin besorgt über die Zukunft unseres Faches, um die gute Versorgung und vor allem um unsere Patienten. Wie können wir die Werte, für die wir stehen, verteidigen? Wie können wir Medizinstudierende dazu bringen, das faszinierende Fach Psychiatrie zu wählen? Der Mangel an Nachwuchs ist alarmierend und erfordert dringende Massnahmen, um die Attraktivität unseres Berufsstandes zu erhöhen.
Doch trotz dieser Hindernisse dürfen wir nicht resignieren. Wir müssen uns weiterhin für unsere Werte und die bestmögliche Versorgung unserer Patienten einsetzen.

Umso wichtiger ist die Arbeit der Psychiatrischen Arbeitsgruppe Politik. So freut es mich, Ihnen in diesem Newsletter ein Interview mit Bettina Mutter, unserer Public Affairs Beauftragten, präsentieren zu können, in dem sie ihre Arbeit und ihre Ideen vorstellt. Sie finden das Interview unter der Rubrik «IM FOKUS».

Mit solidarisch herzlichen Grüssen
Ihre Fulvia Rota, Co-Präsidentin FMPP

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