Strategische Ziele der FMPP für 2017

Pierre Vallon, Präsident der FMPP     

Das Ergebnis der vom BAG beim BASS in Auftrag gegebenen Umfrage lässt keinen Zweifel offen:  Die Schweizer Psychiater werden alt. Jeder vierte Psychiater-Psychotherapeut ist älter als 60 Jahre, und nur 9% sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Während Psychiater für Kinder und Jugendliche im ganzen Land fehlen, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken, ist die Verteilung der Psychiater für Erwachsene zwischen Stadt und Land völlig aus dem Gleichgewicht. Trotz der hohen Anzahl Psychiater in den Städten übersteigt die Wartezeit für neue Patienten oft vier bis sechs Wochen.

Ist die FMPP also nur noch eine Fachgesellschaft alter, in der Stadt praktizierender Ärzte, deren Einkommen trotz voller Terminkalender das niedrigste Facharzteinkommen ist? Welche Rolle kann die FMPP in der Tarifrevision TARCO oder angesichts einer staatlichen Tarifstruktur noch spielen? Wie sollen noch Medizinstudenten für die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Hausarztmedizin oder der Psychiatrie begeistert werden, wenn sie sich weitaus mehr zu den technischen Fachbereichen hingezogen fühlen? Welche Zukunft hat die ärztliche Psychotherapie angesichts des Zulaufs von Fachärzten ohne ausreichende Fachausbildung aus den Nachbarländern? Sind der Psychiater-Psychotherapeut und der Hausarzt vom Aussterben bedroht, weil sie nach und nach vom Binom Psychologe-Psychotherapeut und Pflegepersonal APN ersetzt werden?

Die FMPP, das sind Sie! Ohne eine starke Identität als Psychiater-Psychotherapeut, an der jeder von uns mitwirkt, hat unser Beruf keine Zukunft! Wir müssen stolz auf das sein, was wir tagtäglich zusammen mit den Patienten und ihren Angehörigen leisten. Wir müssen ohne Unterlass erklären, was ein Psychiater-Psychotherapeut ist, ob er nun allein oder in einer Gruppe, in einer Institution oder in seiner Privatpraxis arbeitet. Dazu müssen wir unsere alltägliche Arbeit den Medizinstudenten erschliessen, damit sie vor Ort erfahren können, was unseren Beruf so einzigartig und spannend macht. Wir müssen die Qualität unserer Behandlung durch eine Weiterbildung und eine Fortbildung gewährleisten, die von motivierenden und stimulierenden Ausbildern getragen wird.

Die FMPP kann sich nicht auf den Lorbeeren vergangener Erfolge ausruhen, wie die Verhinderung der KLV-Revision, die Unterstützung bei der Schaffung einer interparlamentarischen Gruppe für psychische Gesundheit, die Netzarbeit mit der FMH, den Psychologen-Verbänden und den Organisationen der Patienten und Angehörigen. Die FMPP muss die Fahne der Psychiatrie und der Psychotherapie als vollwertige Fachgesellschaft hochhalten. Sie muss gegen die Stigmatisierung der Menschen kämpfen, die an psychischen Krankheiten leiden, gleich welchen Alters und welcher Nationalität. Sie muss die Kommunikation zwischen ihren Mitgliedern in der ganzen Schweiz stärken und die Öffentlichkeit über die Herausforderungen der psychischen Gesundheit informieren.  

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