Topics Newsletter 03 I 17

 
 
 
 

Wort des Präsidenten

 
 

Was sich Politiker unter Psychiatrie vorstellen, gleicht wohl eher einer Karikatur: Der Patient liegt auf einer Couch und redet, wobei er die Decke anstarrt. Und der Psychiater hat meist einen Bart - Freud lässt grüssen - sitzt bequem im Sessel und macht sich Notizen.

So gesehen lässt sich die Psychiatrie eher auf eine Zweierbeziehung reduzieren, die sich in einem wohl abgesteckten, zeitlichen und örtlichen Rahmen abspielt, weit entfernt vom Unbill des Alltags. Nie ist der Patient ein Kind, ein Heranwachsender oder eine ältere Person mit Gedächtnislücken. Hat sich der vom Bundesrat durch Verordnung aufgezwungene Tarif an dieser verzerrten Sicht der Psychiatrie und der Psychotherapie inspiriert? Man könnte es glauben, denn er will ja mit dem ärztlichen Missbrauch der Leistung in Abwesenheit des Patienten aufräumen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Alterspsychiatrie, die soziale Psychiatrie oder die Psychiatrie der Abhängigkeits-
erkrankungen sind alles Bereiche, in denen der Patient nicht ausserhalb seines Umfeldes behandelt werden kann. Die Leistung in Abwesenheit des Patienten ist unser Werkzeug, im selben Masse, wie die Kontakte mit der psychisch erkrankten Person. Zu einem Zeitpunkt, wo das BAG alle grossen strategischen Richtlinien im Kampf gegen nicht übertragbare Krankheiten wie Demenz, Sucht oder psychische Krankheiten im Allgemeinen definiert, gefährdet der Eingriff des Bundesrats in den Medizinaltarif deren Realisierung. Schlimmer noch, denn Bundesrat Alain Berset hat im Jahr 2017 drei nationale Konferenzen über die Reintegration von Behinderten am Arbeitsplatz einberufen. Der OECD zufolge sind psychische Krankheiten in der Schweiz der primäre Grund um eine Invalidenrente zugesprochen zu erhalten. Die so verursachten indirekten Verluste für die Wirtschaft betragen zwischen 11 und 20 Milliarden Franken im Jahr. In diesem Zusammenhang den Psychiatern die Möglichkeit zu nehmen, mit den Arbeitgebern oder den Case Managern ihrer Patienten in Kontakt zu treten, ist ein schwerer Fehler. Seit der Einführung der Tarifstruktur Tarmed ist die Psychiatrie zudem der medizinische Fachbereich mit dem geringsten Einkommen. Nicht nur, dass sich unser Einkommen voraussichtlich verringert, nein, Herr Berset will uns auch daran hindern, unsere Arbeit auszuführen, wie wir es gelernt haben. Dann soll er auch die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen tragen! 


Ihr Pierre Vallon, Präsident FMPP

 
 

Aktuelle politische Themen

 
 

FMPP wehrt sich gegen Tarifeingriff und damit gegen Rationierung und Lohneinbussen

FMPP wehrt sich gegen Tarifeingriff und damit gegen Rationierung und Lohneinbussen

Ende März hat der Bundesrat einen neuen Ärztetarif mit Einsparungen von CHF 700 Mio. vorgelegt. Nach detaillierter Analyse zeigt sich, dass der Tarifeingriff in der Psychiatrie nicht nur uns Ärztinnen und Ärzte trifft, sondern auch die psychiatrischen Leistungen rationiert – vor allem über die engen Limitierungen in der Bezugs- und Umfeldarbeit und bei den Telefonaten.   Patientinnen und Patienten sind also stark betroffen – insbesondere Kinder und Jugendliche, ältere Menschen und Arbeitnehmer mit psychischen Erkrankungen. Die FMPP wehrt sich deshalb im Namen der Mitglieder und der betroffenen Patienten gegen den Tarifeingriff – auf der Ebene Politik, in der Öffentlichkeit sowie auch sachbezogen bei den nationalen Tarifgremien. 

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Update TARPSY

Am 22. Juni 2017 findet in Bern die erste TARPSY Konferenz statt. An dieser Tagung wird die SwissDRG AG die neue und einheitliche Tarifstruktur TARPSY 1.0 präsentieren, die am 1. Januar 2018 für die Vergütung der stationären Leistungen in der Psychiatrie eingeführt wird. Der Vormittag bietet einen Einblick in die medizinische Logik des Systems und dessen technische Implementierung sowie in die Regeln und Definitionen zur Fallabrechnung unter TARPSY. Am Nachmittag werden Erfolgsfaktoren einer leistungsorientierten Tarifierung vorgestellt und mögliche Wettbewerbsvorteile und Risiken eines Leistungserbringers. Anschliessend werden der Stand der Umsetzung und die Rahmenbedingungen in der Schweiz thematisiert. Die Veranstaltung wird simultan ins Französische übersetzt.

 
 

2. Teil der BASS/BAG-Studie: Vergleich der Tätigkeiten von Psychiaterinnen und Psychiatern in der Schweiz und im Ausland

Bei der Erarbeitung aktueller Berichte über psychische Gesundheit und psychische Erkrankungen ist das BAG auf Widersprüche gestossen, wie etwa die Diskrepanz zwischen der tiefen Inanspruchnahme professioneller Hilfe bei psychischen Belastungen/Erkrankungen und der hohen Psychiaterdichte der Schweiz im Vergleich zu anderen OECD-Ländern. Daher hat das BAG zwei Studien erstellen lassen. Die Ergebnisse der ersten Studie zur «Versorgungssituation psychisch erkrankter Personen in der Schweiz» lagen im November 2016 vor, der Bericht zum «Vergleich der Tätigkeiten von Psychiaterinnen und Psychiatern in der Schweiz und im Ausland» kann seit Anfang März 2017 eingesehen werden.

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FMH fordert vier Qualitätskriterien für die Zulassung von Ärztinnen und Ärzten

Zur Steuerung des ambulanten Bereichs haben die Kantone derzeit die Möglichkeit, die Anzahl der zugelassenen Ärzte zu beschränken. Der Zulassungstopp ist aber seit längerem ein brisantes politisches Thema auch auf nationaler Ebene. Im Jahr 2016 verabschiedete das Parlament die Verlängerung der Zulassungsbeschränkung bis im 2019. Zeitgleich erteilte es dem Bundesrat den Auftrag, eine langfristige Lösung zu finden. Dieser prüfte nun zusammen mit Fachleuten und zentralen Akteuren des ambulanten Bereichs drei mögliche Stossrichtungen: Einführung differenzierter Tarife nach medizinischer Demografie, Lockerung des Vertragszwangs und Verbesserung der Zulassungssteuerung. Anfang März legte der Bundesrat nun einen ersten Bericht vor, der auf ein verbessertes und verfeinertes Modell der Zulassungssteuerung zielt. Erfreulicherweise verwirft er darin die Aufweichung der Vertragspflicht als auch eine Steuerung über den Preis. Die FMH fordert in ihrer Replik auf den Bericht, dass für die Zulassung von Ärztinnen und Ärzten vier Qualitätskriterien gelten sollen: Sprachkompetenz in einer der Landessprachen, Ausbildungsdauer von sechs Jahren, eine klinisch-ärztliche Weiterbildung von mindestens drei Jahren Jahren in dafür anerkannten Institutionen sowie fortwährender Fortbildungsnachweis über die gesamte Berufausübungsdauer.
 

 
 

Aktuelles aus der Verbandsarbeit

 
 

Das Wichtigste aus den Delegiertenversammlungen vom 6. April 2017

Am 6. April 2017 fanden die Frühlings-Delegiertenversammlungen der FMPP, der SGPP und der SGKJPP statt. Hier finden Sie die wichtigsten Themen in Kürze.

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Aus der Qualitätskommission

«Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin, und keiner ginge um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen». In der letzten Sitzung der Qualitätskommission unserer Fachgesellschaft habe ich einen von mir zur Publikation verfassten Artikel zur Diskussion gestellt: «Wohlwollend, griffig, aktuell, trifft unsere aktuelle Situation sehr genau» war das einhellige Echo. Den Artikel habe ich  aber bereits vor zehn Jahren genauso als internen Newsletter der Fachgesellschaft veröffentlicht. 

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Fort- und Weiterbildung

 
 

Transition – Kinder- und Jugendpsychiatrie in einer Welt des Wandels

Transition – Kinder- und Jugendpsychiatrie in einer Welt des Wandels

 

Vom 9. bis 11. Juli 2017 findet der Kongress der «European Society for Child and Adolescent Psychiatry» in Genf statt. Der diesjährig erstmals in der Schweiz stattfindende ESCAP-Kongress steht unter dem Thema «Transition» und stellt die Übergänge ins Zentrum.  

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SGPP-Jahreskongress – die Psychiatrie von morgen heute diskutieren

SGPP-Jahreskongress – die Psychiatrie von morgen heute diskutieren

Vom 13.-15. September 2017 findet der SGPP-Jahreskongress wiederum in Bern statt, diesmal zum Thema «Psychiatrie der Zukunft». Wir werden uns mit den möglichen Entwicklungen der Psychiatrie in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten beschäftigen. Wir wünschen uns, damit auf das notwendige Interesse zu stossen und einen Beitrag zu einem zukunftsorientierten Dialog zu leisten.  

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Neuer Kurs am SGPP-Kongress: «Was Sie schon immer über Versicherungen wissen wollten, aber…»

Die SVK der FMPP bietet am 13. September 2017 von 14.00-17.15 Uhr im Rahmen des SGPP-Jahreskongresses in Bern einen Kurs über das Wichtigste rund um Versicherungen an. In diesem Kurs erhalten Sie wichtige Informationen über Schwierigkeiten und Fallstricke im Umgang mit Krankenkassen und Versicherungen. Der Kursbesuch ist mit FMH-Credits vergütet. 

 
 

Der DGPPN Kongress als Weltkongress: Spitzentreffen der Psychiatrie und Psychotherapie in Berlin

In diesem Jahr steht ein besonderes Kongressereignis an: Vom 8. bis 12. Oktober 2017 veranstaltet die DGPPN gemeinsam mit der World Psychiatric Association (WPA) den Weltkongress der Psychiatrie in der Messe Berlin! Der Weltkongress 2017 macht Berlin für fünf Tage zum internationalen Zentrum der psychischen Gesundheit. Auf dem Weltkongress sprechen Richard Sennet, Ursula Staudinger, Fabrizio Benedetti, Sir Michael Meaney, Sir Simon Wessely und viele weitere Top-Experten aus dem In- und Ausland. Auch die praxisnahen Kurse der DGPPN Akademie für Fort- und Weiterbildung, die State-of-the-Art-Symposien und die interaktiven Foren sind Teil des Kongressprogramms und bieten die ideale Gelegenheit, um die eigenen Fachkenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen. Zur Auswahl stehen rund 50 kostenpflichtige sogenannte Courses. Die Plätze sind begrenzt, da sie in kleinen Gruppen mit maximal 30 Teilnehmern stattfinden. Melden Sie sich jetzt zum Kongress an und buchen Sie Ihren Course gleich mit unter http://www.wpaberlin2017.com/ Mitglieder der SGPP profitieren übrigens von einer reduzierten Kongressgebühr. 

 
 

Fachthemen

 
 

Richtig reagieren bei Medienanfragen

Richtig reagieren bei Medienanfragen

Gerade die Psychiatrie ist ein sehr spannendes Medienthema und so ist der Einbezug von Fachpersonen in Medienbeiträge etwas, das stark zunimmt. Wie aber verhält man sich am besten gegenüber Medienschaffenden? Bei vielen öffentlichen Funktionsträgern hat es sich eingebürgert, dass sie ein professionelles Medientraining besuchen. Dies ist allen zu empfehlen, die immer wieder mit Medien zu tun haben und auch ihre Inhalte gezielt über Medienarbeit kommunizieren wollen. Und doch gibt es wenige Kniffs, mittels derer eine Medienanfrage gut beantwortet werden kann. 

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Umfrage über Arbeitsprobleme von psychisch erkrankten Menschen

Die aktuelle Ausgabe der «Schweizer Zeitschrift für Psychiatrie & Neurologie» befasst sich mit Arbeitsproblemen von psychisch erkrankten Menschen. Die Redaktion der «Schweizer Zeitschrift für Psychiatrie & Neurologie» und Dr. Niklas Baer, Leiter der Fachstelle für psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland, laden Sie zu einer Leserumfrage ein. Hier geht es zur Umfrage...

 
 

Hotspot

 
 

Wanderausstellung «erfasst, verfolgt, vernichtet.»

Wanderausstellung «erfasst, verfolgt, vernichtet.»

Menschen mit Behinderungen oder Nervenkrankheiten im Nationalsozialismus
Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psycho-Therapie, Psycho-Somatik und Nerven-Heilkunde (DGPPN) engagiert sich, den Umgang mit psychisch Erkrankten und Behinderten in der Nazi-Zeit zu erforschen und aufzuarbeiten. In diesem Kontext ist die Wanderausstellung «erfasst, verfolgt, vernichtet.»  entstanden. Während der Nazi-Zeit in Deutschland wurden Menschen mit Behinderungen oder Nervenkrankheiten interniert und ermordet. An die 400.000 Betroffene wurden zwangssterilisiert, mehr als 200.000 wurden ermordet. Die Selektion der Patienten fand in den damaligen Anstalten oder Krankenhäuser statt. Zahlreiche Ärzte, Pflegende und Funktionäre waren beteiligt. Die in Kooperation mit der DGPPN und den Stiftungen «Denkmal für die ermordeten Juden Europas» und «Topographie des Terrors» erstellte Wanderausstellung nimmt sich diesem Thema an. Sie stellt die Frage nach dem Wert des Lebens ins Zentrum und beschäftigt sich mit den institutionellen Voraussetzungen der Morde. Sie fasst das Geschehen von Ausgrenzung und Zwangssterilisationen bis hin zur Massenvernichtung zusammen. Die Ausstellung beschäftigt sich dabei mit Opfern, Tätern und Tatbeteiligten und stellt sich der Frage der Aufarbeitung. Exemplarische Biografien ziehen sich durch die gesamte Ausstellung. Den Schlusspunkt der Ausstellung bilden zahlreiche Stimmen, die das damalige Geschehen von heute aus reflektieren. Mehr erfahren...